Motorola SL2600

Nach den relativ ernüchternden Erfahrungen mit dem Hytera PD365 (TX-Audio schlecht, Bedienung seltsam) ging die Suche nach einem Hosentaschenfunkgerät wieder von vorne los. Das schon lange verfügbare Motorola SL4000 war mit seinem Preis und vor allem dem fehlenden FM-Analogbetrieb nie eine Option.

SL2600 neben PD365

Über die HF-Eigenschaften des Motorola SL1600 hatte ich für den Stadtbetrieb trotz der Stummelantenne Gutes gehört.  Die Gehäuseform ermöglicht es zwar noch nicht ganz, sich bequem mit Funkgerät in der Hemdtasche lächerlich zu machen, aber in die Hosentasche passt es schon ganz gut. Leider fehlen hier einige Features der DP-Serie, wie IP Site Connect RoamingAudio Profile Preference und vor allem Bluetooth. Das eingeschränkte LED-Matrix-Display ist sehr nett anzuschauen, aber schon bei der Anzeige der aktiven Talkgroup möchte man eigentlich lieber ein richtiges Pixeldisplay.

Das Motorola SL2600 füllt all diese Lücken und kommt im gleichen Gehäuse, wie das SL1600.

Gefällt mir:

Hardware

  • Gehäuseform ist angenehm zu halten und beult bei einem normal übergewichtigen Funkamateur die Hosentasche nicht über Gebühr aus
  • Anordnung der Bedienelemente und die notwendige Betätigunskraft sind gut, Einhandbedienung mit rechts und links möglich
  • Betätigung der kapazitiven Touch-Felder auf der Gerätefront wird durch Vibration quittiert - Feedback ohne Seniorentastentöne, ufb!
  • gute Audiowiedergabe
  • gutes TX-Audio
  • kann DMR und FM
  • über standard Micro-USB-B-Buchse zu laden, wie die meisten (älteren) Mobiltelefone und Tablets
  • alternativ Verwendung der Ladeschale, in der auch ein Reserveakku außerhalb des Funkgeräts einzeln geladen werden kann
    • die Ladeschale hat ebenfalls USB Micro B als Eingang, so dass sie aus einer USB-Powerbank oder einem USB-Zigarettenanzünderadapter versorgt werden kann
  • kein spezielles Programmierkabel erforderlich, es kann jedes USB-Micro-B-Kabel verwendet werden.
  • optionales Zubehör (für Motorola) preiswert
  • Dicht nach IP54, alle Buchsen mit unverlierbaren Gummiklappen verschlossen, Headsetstecker wasserdicht
  • Akkulaufzeit: Ein Arbeitstag mit laufendem Scan (3 Kanäle) und ein paar QSOs ist kein Problem
  • Tastensperre nicht nötig, da bei eingehendem Ruf nur das Display aktiviert wird, nicht aber das Tastenfeld

Firmware

  • 256 Kanäle auf maximal 50 Zonen verteilt, reichen für den Alltag
  • Vollwertiges Menü, wie von DP4000ern bekannt
  • Mikrofon-AGC funktioniert bei DMR und FM sehr gut
  • optional als Softwarelizenz erhältliches RX Audio Leveling gleicht die Lautstärken von OMs mit Schrottgeräten oder Heiserkeit gleichermaßen gut aus
  • Bluetooth-Funktionalität sehr gut umgesetzt:
    • Funkgerät kann mit mehreren Freisprecheinrichtungen gleichzeitig gekoppelt sein (Headset im Ohr, Festeinbau im Auto …) und man wählt die gerade gewünschte über das Menü aus
    • Funkgerät kann über Menü in Pairing-Modus versetzt werden, oder selbst nach bereiten Geräten suchen
    • Bluetooth-Name entspricht konfiguriertem Funkgerätenamen
    • Bluetooth-Mikrofonverstärkung über Menü regelbar
  • Geräuschunterdrückung funktioniert recht gut

Gefällt mir nicht:

Hardware

  • Gummistopfen an der Micro-USB-Buchse muss zum Laden rausgepopelt werden - hält bestimmt eine Weile, aber wie ich Motorola kenne, gibt es den bestimmt nicht als Ersatzteil und man man muss gleich ein neues Gehäuse kaufen, wenn er abfällt
    • Ich habe nach dieser Kalkulation doch noch den Standlader gekauft, um den Gummischniepel nur zum Programmieren öffnen zu müssen.

Firmware

  • In der unteren Displayzeile wird bei einem DMR-Call in voller Länge der Name der aktiven Talkgroup angezeigt. Die Anzeige des Absenders, also die ID oder der Name des entsprechenden Adressbucheintrages  erscheint in der oberen Zeile rechts der Symbolleiste.
    • Der Absendername ist auf 8 Zeichen beschränkt. Eine numerische ID passt also genau rein.
    • Hat der Name im Adressbuch jedoch mehr als 8 Zeichen, werden 5 Zeichen des Namens und 3 Punkte angezeigt.
      • Wer denkt sich sowas aus? Antwort: Ein Softwareentwickler, der nicht bemerkt, dass die Laufweite von "..." kaum an die eines Großbuchstabens heranreicht, der aber bis 8 Zählen kann.
    • Ich habe das so "gelöst", dass ich nur die Rufzeichen und nicht mehr zusätzlich die Vornamen im Adressbuch speichere, dann passt es und man hat sogar noch 2 Zeichen um OMs mit mehreren IDs zu verarzten.

Nach anfänglicher Fazialpalmierung ob des limitierten Absendernamens bin ich nach Finden des Kompromisses mit verkürzten Adressbucheinträgen bis jetzt sehr zufrieden mit dem SL2600. Es sammelt bereits fleißig Hosentaschenflusen und hat schon mindestens zwei Arbeitskollegen zu Tode erschreckt.

Aktualisiert am 3. Aug 2019 @ 07:23.