Auf welcher Frequenz soll ich meinen DMR-Hotspot betreiben?

Diese Frage lässt sich scheinbar einfach durch einen Blick in den Bandplan beantworten. Leider ist der DARC-Bandplan nicht so wirklich übersichtlich und an zwei Stellen irreführend.

Um die Antwort vorweg zu nehmen: Benutzt eine Frequenz zwischen 433 und 434 MHz für euren DMR-Hotspot.

Warum? Nun …

Kollision Nummer 1: FM und DV-Simplex

Am Anfang des 70cm-Bandes wird traditionell FM-Simplex gemacht.

Warum hier? Weil der Rest des Bandes für CW, SSB, Baken, Relais, Transponder, ATV, Packet Radio, Satellitenfunk und viele andere Betriebsarten vorgesehen ist.

Hinzu kommt, dass man den Bereich von 433,05 MHz bis 434,79 MHz quasi nicht für FM-Sprechfunk ohne Einsatz von CTCSS/DCS verwenden kann, weil hier durch eine Allgemeinzuteilung der Bundesnetzagentur allerhand Geräte mit geringer Sendeleistung unterwegs sind. Bekannt ist dieser Bandabschnitt als "433 MHz ISM-Band".

Die in der Allgemeinzuteilung geforderte maximale Sendeleistung von 10 mW wird relativiert, wenn man in der Stadt wohnt und von mehreren Dutzend Funkthermometern umgeben ist, oder wenn der direkte Nachbar auch nur einen billigen Funkkopfhörer betreibt.

Nun erschwert der Einsatz von  CTCSS/DCS  aber die spontane Kontaktaufnahme erheblich, was meiner Meinung nach für den Amateurfunk wenig elegant ist.

Bei den digitalen Sprechfunkbetriebsarten wie DMR, D-STAR, P25, System Fusion usw. werden solche Störer prinzipbedingt durch den Nutzer nicht wahrgenommen. Sicher verschlechtert sich der Signal-Rauschabstand kurzzeitig, wenn das Thermometer nebenan auf Sendung geht, aber es piept und rauscht nicht. Deshalb kann man diesen ansonsten gemiedenen Bereich des 70cm-Bandes von 433 bis 434 MHz mit digitaler Sprachübertragung gut nutzen.

Wenn auf einer schon lange für FM-Simplex genutzten Frequenz, beispielsweise zwischen 430.1000 MHz und 430.3250 MHz,  digitaler Sprechfunk gemacht wird, haben die FM-Funker das Nachsehen. Möchte man die Digitalfunker darauf hinweisen, dass es sich hier um eine Clubfrequenz handelt, oder dass gleich eine Runde beginnt, ist die Chance sehr groß, dass sie einen in FM gar nicht hören.

Bei DMR, dPMR/NXDN und P25 liegt die Wahrscheinlichkeit sogar bei 100%, denn die hier verwendeten Funkgegräte können im Gegensatz zu D-STAR und System Fusion nicht automatisch FM erkennen und demodulieren, wenn der Kanal für Digitalbetrieb programmiert ist.

Genau dieses Problem haben wir sporadisch auf der Clubfrequenz von DK0TU, 430,2000 MHz. Man müsste halt irgendwann™ mal zum richtigen Zeitpunkt statt des Stationsgerätes einen SDR mit DSDplus anschließen, damit man die anderen Funker überhaupt identifizieren kann. Dann müsste man mit der gewonnen Information ein passendes Digitalfunkgerät programmieren, um sie zu kontaktieren.

Kollision Nummer 2: TETRA-DMO-Repeater und der Rest

Die im Bandplan explizit für "DV Simplex Gateways" ausgewiesene Frequenz 430.3750 MHz erscheint zunächst die ideale Wahl für den DMR-Hotspot. Tatsächlich existieren auf den Frequenzen 430,0750 MHz, 430,3500 MHz und 430.3750 MHz in DL einige TETRA-DMO-Repeater. Während zwei dieser Frequenzen es tatsächlich auch als TETRA-QRGs in den Bandplan geschafft haben, hatte die 430.3750 MHz offenbar Pech.

Brauchen wir jetzt separate Frequenzbereiche für jede neue Betriebs- und Sendeart im Bandplan? Natürlich nicht, denn das ist rein administrativ einfach nicht zu bewältigen.

Ich finde aber, dass durch tatsächliche Nutzung einer bestimmten Betriebsart aktiv belegte Frequenzen ein Gewohnheitsrecht erworben haben und so auch im Bandplan gewürdigt werden sollten. Außerdem ist auf 70cm wirklich genug Platz, so dass man sich nicht in einem kleinen Teilband gegenseitig auf die Füße treten muss.

Wenn durch die Verbreitung von digitalem Sprechfunk der bisher durch (in FM und SSB) nervtötendes Gepiepe und Geknattere unbenutzbare Bereich 433 bis 434 MHz endlich wieder sinnvoll zu verwenden ist, kann man das auch einfach mal tun – finde ich.